ADVENT - Zeit des Schweigens und des Lauschens

Erstellt von mhs | |   Breitnau

Liebe Freunde der Timeout Jugendhilfe, stehen wir persönlich oder beruflich vor einer wichtigen Entscheidung, so versuchen wir in uns zu gehen, uns zu sammeln, um schließlich aus den guten Kräften unseres eigenen, innersten Wesens zu handeln. ...

Steht uns bevor, in irgendeiner Sache ein gewichtiges Wort mitzusprechen, so werden wir vorher darüber eine Zeitlang zu schweigen versuchen. Unser Wort hätte kein Gewicht, wenn es im Voraus zerredet wäre. Je größer das Schweigen, umso kräftiger wird - zur rechten Stunde gesprochen - das aus ihm hervorgehende Wort sein.

Wer allerdings nur deshalb schweigt, weil er nichts zu sagen hat, schweigt noch nicht wirksam. Erfülltes Schweigen ist ein Umgehen mit Gedanken und Worten, die ohne über die Schwelle des Mundes zu treten, innerlich abgewogen und geformt werden. Dieses Schweigen ist der Quell, aus dem wirksame Worte und Taten hervorgehen. Dies ist ein grundlegendes und einfaches Lebensgesetz. Tausendfach erprobt, wird es doch viel zu wenig gehandhabt. Wie oft leeren wir, von Antipathie und Sympathie, vom Temperament geleitet, unseren Seeleninhalt mehr oder weniger geräuschvoll vor unseren Mitmenschen, unserer Umgebung aus!

Auch die Natur hat ihre Schweigezeiten. Die Schwalben, nachdem sie täglich zwitschernd und rufend über unsern Köpfen die Luft durchzogen haben, ver-schwinden plötzlich von einem Tag auf den anderen im September aus unserem Landstrich. Sie gehörten zur Stimme der Landschaft und nun schweigt diese. Oder zum Winteranfang im Hochgebirge. Da ist ein mächtiger Wasserfall, der Tag und Nacht von der Bergwand stürzt. Man hat sich an sein Rauschen gewöhnt. Nun aber setzt eines Nachts im Dezember starker Frost ein. Das Rauschen steht still. Man erwacht am andern Morgen in eine seltsame Totenstille hinein, die sich über die winterliche Landschaft gelegt hat. Der Wasserfall selbst ist nicht verschwunden, aber verwandelt in blankes Eis. Schweigend wartet er auf ein neues Brausen.

Diese Ruhe hebt draußen an, während die Sonne mit Licht und Wärme für unsere Breiten zurücktritt. Im gleichen Maße da das Tageslicht schwindet, tritt aber ein anders Licht hervor. Majestätisch blinken aus den längsten Nächten des Jahres die Sterne zu uns nieder. Unverrückbar ewig in ihren Verhältnissen zueinander stehen die Ruhesterne da.

Gegenüber dem bunten Fluss der Geschehnisse und Ereignisse hier auf der Erde ein Bild der Größe und Dauer. Die glänzende Sternenwelt schweigt. Bei einem abendlichen Wintergang über eine einsame, verschneite Hochfläche durch Einsamkeit und Stille kann uns das tief in unserer Seele berühren. Da spüren wir, die Natur könnte ihre Winterruhe nicht finden, könnte nicht, mit den Samen ins Verborgene gehen, mit den Zugvögeln in die Fernen ziehen, wenn sie nicht bestrahlt werden würde von der Weltenruhe.

Diesen großen Rhythmus so mitzumachen, dass es die innere freie Tat des Menschen ist, das lehrt uns die Adventszeit. Weihnachten ist eines der wichtigsten Worte, die das Christentum im Jahreslauf zu sprechen hat. Vorher aber, in der Adventszeit, da halten wir mit dem Jahr den Atem an und lauschen nach innen, nach dem noch unausgesprochenen Weihnachtswort. Da hilft uns die feierliche Stimmung dieser Zeit, die Seele zu erheben zu der Welt, aus der der Christus zu uns herabkommt. 

Innere Ruhe gewinnt man letzten Endes nicht dadurch dass man Unruhe bekämpft, sondern nur dadurch, dass man Anschluss an ein Leben erlangt, das in großen Rhythmen schwingt. Advent ist in erster Linie ein solches Eintauchen in die Weltenruhe.

Der Einzelne hat es oft nicht leicht mit der Seelenruhe. Und unsere Gegenwart macht gerade diese Zeit vor dem Fest zu einer Zeit großen Trubels. Man muss sich hüten vor einem Übermaß an Eindrücken und Sorgen. Wie oft fühlt man in der Adventszeit, dass alle äußere Geschäftigkeit nur auf der Oberfläche des Lebens spielt.

Tatsächlich aber ist die Adventszeit Vorbereitung, sie hat in Weihnachten ihr Ziel. Sie möchte dienen. Sie hat Geheimnisse. Sie schweigt in Vorfreude.

Dicht am Markt steht in Freiburg das Münster. Und es bedurfte für den Menschen vergangener Jahrhunderte nur eines Schrittes, um aus Jahrmarktslärm und -gewühl einzutreten in die Stille des Baues, dessen architektonische Formen ihn groß überwölbten und ihm eindrucksvoll-tröstlich sprachen von Dasein einer höheren Ruhewelt. Diesen Schritt müssen wir heute mehr innerlich vollziehen. Dabei steht der Geistesdom, in den wir treten können, nicht weniger nah an unserem Wege.

Mit den besten Wünschen für eine Adventszeit erfüllten Schweigens

M.Hubert Schwizler 

- schulische Leitung -