Harmonie in Piano und Forte

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Eine Nachlese zum Konzert des Kiew Brass Quintett

von Thomas Bissionek in BADISCHE ZEITUNG von 20.12.2017

ST. MÄRGEN. Erst Kulinarisches, dann Konzertantes – das gab es am Sonntagvormittag im Thurner Wirtshaus. Und was das Brass Quintett aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew bei seinem Benefizkonzert zugunsten des S’Einlädele aus Freiburg bot, begeisterte nach dem reichhaltigen Frühstücksbüfett die rund 100 Zuhörer im "Konzertsaal" auf dem Thurner.
 
Mit Antonio Vivaldis Concerto Grosso Op. 3 nach einem Arrangement von JF Taillard starteten die Vollblutmusiker Roman Olersienko (Trompete), Alexander Schewtschuk (Trompete) Nikolaj Galay (Horn), Alexsij Portenko (Posaune) und Sergej Klimtschenko (Tuba) klassisch und schwungvoll in den ersten Konzertteil, ließen mit dem wunderbar getragenen Stück von Johann Sebastian Bachs Suite Nr. III C-Dur und dem "Jesus bleibt meine Freude" (BWV 147) die Herzen der Zuhörer höher schlagen.
 
"Ich hoffe, Sie haben etwas Zeit mitgebracht. Wir spielen jetzt Tschaikowskis Schwanensee, das dauert vier Stunden", sagte Nikolaj Galay schmunzelnd, der durch das Konzert führte.
 
Nein, so lange spielten die Blechbläser dann nicht, beeindruckten aber mit Virtuosität – vor allem der Trompeter bei den schnellen Passagen des Ballettstücks. Gleiches galt bei Georg Friedrich Händels "Wassermusik" in Allegro, Andante und Allegro da capo, in denen die Ukrainer sowohl in Piano als auch Forte wundervoll harmonierten. Nach einem Auszug aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten" (Winter), Fritz Kreislers "Liebesleid", arrangiert von R. Oleksilienko für das Bläser-Quintett, Wolfgang Amadeus Mozarts "Königin der Nacht" und Händels "Königin von Saba" ging es für die Zuhörer beseelt in die kurze Pause.
 
Dass das Brass Quintett nicht nur klassisch, sondern auch Swing und Jazz kann, bewies es schwungvoll und auch augenzwinkernd im zweiten Teil.
 
Glenn Millers "Moonlight Serenade" stand dabei ebenso auf dem Programm wie ein Walzer von Dmitri Schostakowitsch (Suite für Jazzorchester Nr. 2), der zum Tanzen animierte, ebenso Jonny Marks "Rudolph, das Rentier", virtuos vorgetragen und akzentuiert durch den Triangelklang.
 
Ein "Blues for Brass", ein jazziges "Take Five" von Paul Desmond und ein Medley von Duke Ellington schlossen sich an. Und als Zugabe erklang schließlich der Evergreen "O when the Saints" mit einem wunderbaren Tuba-Kuckuck.
 
Nach langem Applaus schloss das Konzert mit der Einladung zum Mitsingen des traditionellen Weihnachtslieds "Oh du fröhliche". Wie sehr das Benefizkonzert gefallen hatte, verriet auch ein Blick in die durch die Reihen gehenden Spenden-Sektkübel. Klimpergeld war dort nicht zu finden.