So leben Deutschlands Kinder

Erstellt von mhs | |   Presse

Eine neue Studie zeigt, wie Kinder in Deutschland leben und fühlen.

Die 4. World Vision Kinderstudie gibt Kindern von sechs bis elf Jahren eine Stimme und macht deutlich: Kinder sind Expertinnen und Experten ihrer Lebenswelten. Über 2.500 Kinder wurden für die neueste Studie befragt: Was sind ihre Wünsche, Sorgen und Ängste? Wo fühlen sie sich ernst genommen und beteiligt? Der Schwerpunkt der 4. World Vision Kinderstudie ist das Thema Flucht. Wo begegnen die Kinder geflüchteten Menschen? Wie nehmen sie sie wahr? Wie hoch ist ihre Bereitschaft, mit Notleidenden zu teilen? Daneben werden zwölf Kinder ausführlich porträtiert und berichten anschaulich über diese Themen. Die 4. World Vision Kinderstudie gibt interessante und teils unerwartete Einblicke in die Lebenswelten der sechs- bis elf-Jährigen und ihre Haltungen zu Themen wie Familie, Schule, Flucht, Armut, Freundschaft und Mitbestimmung.

Einige der Ergebnisse im Überblick:

  • Jedes dritte Kind von erwerbstätigen Alleinerziehenden klagt über zu wenig Zeit mit den Eltern.
  • Je älter die Kinder werden, desto weniger gefällt ihnen die Schule.
  • Ob ein Kind das Abitur anstrebt, hängt am stärksten von seiner sozialen Herkunft ab - und zwar unabhängig davon, wie es seine eigenen schulischen Leistungen einschätzt.
  • Knapp die Hälfte hat Angst vor schlechten Schulnoten.
  • Nur jedes dritte der befragten Kinder hat das Gefühl, dass seine Meinung für Lehrer und Betreuer eine Rolle spiele.
  • Fast jedes zweite Kind (45 Prozent) zwischen sechs und elf Jahren hat ein eigenes Handy, meistens ein Smartphone.
  • Je sozial schlechter gestellt eine Familie ist, umso weniger haben die Kinder das Gefühl, ihren Alltag mitbestimmen zu können.
  • Stufen sich Kinder im Grundschulalter als arm ein, beklagen sie zu wenig Zuwendung durch ihre Eltern. Sie haben deutlich weniger Vertrauen in die eigenen schulischen Leistungen. Sie betreiben deutlich häufiger exzessiven Medienkonsum, haben weniger Freunde, sind seltener in Vereinen aktiv, können seltener Freunde mit nach Hause nehmen und ihr Zugang zu Spielplätzen und zur Natur ist schlechter.
  • Rund ein Viertel der Asylsuchenden in Deutschland waren Kinder unter elf Jahren. Das heißt: Die Mehrzahl der Kinder (63 Prozent) haben in der Schule Kontakt zu geflüchteten Menschen. Je enger der Kontakt, desto positiver bewerten die Kinder diese Erfahrungen. Und 85 Prozent finden es richtig, Flüchtlingen zu helfen und etwas abzugeben.
  • 27 Prozent der befragten Kinder gaben an, Angst davor zu haben, dass zu viele Ausländer nach Deutschland kommen - im Osten sagten dies sogar 45 Prozent der Befragten, während im Westen nur 25 Prozent zustimmten. Die Studienmacher warnen: "Hier zeigt sich, wie früh eine fremdenfeindliche Atmosphäre auf die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft abfärbt."

"Unsere Studie belegt: Je mehr Zeit einheimische und geflüchtete Kinder regelmäßig miteinander verbringen, desto besser ist es für beide Seiten."

                                                           Gudrun Schattschneider, Leiterin Politik

Für die 4. World Vision Kinderstudie wurde eine deutschlandweit repräsentative Befragung von 2.550 Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren durchgeführt. Konzeption und Koordination lagen bei einem Team rund um Sabine Andresen von der Universität Frankfurt und dem Institut Kantar Publik (vormals TNS Infratest Sozialforschung).
Die Kinder wurden demnach persönlich-mündlich auf Basis eines eigens entwickelten vollstandardisierten Erhebungsinstruments zu Hause befragt. Zusätzlich wurde ein Elternteil um ergänzende Auskünfte zu Herkunft und sozialer Lage der Familie gebeten. 374 Kantar-Interviewerinnen und Interviewer führten die Befragung durch, die durchschnittlich pro Kind 34 Minuten dauerte. Sie fand im Zeitraum von Ende Januar bis Ende März 2017 statt.