Aus Schule & Unterricht: Tierkunde/Biologie

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Schmetterlingszucht im Klassenzimmer am Standort Hofgut Rössle/Nessellachen

Um die Metamorphose von einer Raupe in einen Schmetterling verfolgen zu können, halten wir in einem Käfig zahlreiche Raupen des Kleinen Fuchses auf einem Strauß von frischen Brennnesseln.

Der Käfig hat zwei Kammern, die durch eine bewegliche Wand voneinander getrennt sind. Sobald die Raupen die Blätter der Brennnesseln aufgefressen haben, öffnen wir die Trennwand zur Nachbarkammer, in der eine Vase mit frischen Brennnesseln steht. Nachdem die Raupen hinübergewandert sind, schließen wir die Trennwand, reinigen die vorherige Kammer und stellen dort zu gegebener Zeit wiederum einen Strauß frischer Brennnesseln hinein. Dies werden wir bis zur Verpuppung fortsetzen ...

Bei der so genannten 'vollkommenen Metamorphose' des Schmetterlings mit seinem Puppen-Zwischenstadium vollzieht sich ein völliger "Umbau" der Organe. Es wachsen nur die Raupen, die sich mehrfach häuten. Die Imagines sind durch ihren Chitinpanzer auf ihre Größe festgelegt und können nicht wachsen. Zum Ablauf der vollkommenen Metamorphose ist zu sagen, dass es sich bei dem aus der Larve entstehenden Lebewesen in der Regel um ein vollkommen neues Lebewesen handelt. Die ursprüngliche Larve wird nämlich durch die eigenen Verdauungssäfte zunächst nahezu vollständig aufgelöst und stirbt so. Diese teilweise Selbstverdauung wird Histolyse genannt. Wie viel ursprüngliches Gewebe erhalten bleibt, ist von Art zu Art unterschiedlich, aber bei den Schmetterlingen sind es beispielsweise nur wenige Prozent.

Der Kleine Fuchs oder Aglais urticae ist ein Schmetterling aus der Gruppe der Edelfalter, der auch unter dem Namen Nesselfalter bekannt ist.

  • Er ist in ganz Europa sowie in Asien beheimatet, wo sich sein Verbreitungsgebiet von den polaren Regionen bis zur Pazifikküste erstreckt.
  • Der Kleine Fuchs ist ein äußerst anpassungsfähiger Falter, der unterschiedliche Lebensräume besiedelt und im Flachland ebenso weit verbreitet ist wie in Höhenlagen von bis zu 3500 Metern. 
  • Er besiedelt Wälder, Waldränder, Lichtungen, Wiesen sowie Parkanlagen und Gärten.
  • Die Tiere sind Wanderfalter und zwar Binnenwanderer erster Ordnung. Sie unternehmen innerhalb ihres Verbreitungsgebietes kürzere Wanderungen. So fliegen sie beispielsweise im Herbst oftmals aus dem Gebirge in die wärmeren Tieflagen und die nächste Generation im Frühsommer wieder zurück.
  • Der Kleine Fuchs überwintert wie das ebenfalls zu den Edelfaltern gehörende Tagpfauenauge an geschützten Orten wie Kellern, Dachböden, Garagen oder auch in natürlichen Verstecken, wobei die Überwinterung an warmen Tagen unterbrochen werden kann.
  • Sie werden oft bei der Gipfelbalz beobachtet: auf der Suche nach Geschlechtspartnern segeln sie an markanten Erhebungen wie Hügeln, Bergkuppen oder Burgruinen immer wieder den Hang hinab.
  • Die Tiere fliegen in warmen Regionen in zwei bis drei Generationen pro Jahr von Mai bis Oktober, in kalten Gebieten und in hohen Lagen nur in einer von Mai bis August. Nach der Überwinterung fliegen sie von März bis April.
  • Der kleine Fuchs erreicht eine Flügelspannweite von maximal fünf Zentimetern und besitzt einen dunkelbraunen Körper.
  • Die Flügel erscheinen in leuchtend oranger Grundfarbe und zeigen an den Ansätzen und Außenrändern sowie an Teilen der unteren Flügel eine dunkelbraune Färbung. Auf dem orangefarbenen Untergrund treten schwarze, gelbe und weiße Flecken in Erscheinung. Entlang der dunklen Außenränder fällt eine leuchtend blaue Fleckenreihe auf, die schwarz eingesäumt ist.
  • Die Unterseite der Flügel ist fast schwarz gefärbt und grau gemustert.
  • Die erwachsenen Schmetterlinge ernähren sich von Blütennektar. Zu den bevorzugten Blühpflanzen zählen Wasserdost, verschiedene Disteln und Geißkraut.
  • Nach der Paarung legen die Weibchen im Frühjahr bis zu hundert hellgrüne, gestreifte und gerippte Eier auf den Blättern der Brennessel ab, die den Raupen als Nahrungsquelle dienen.
  • Die fast schwarzen Raupen zeigen eine deutliche Musterung mit leuchtend gelben Querstreifen.
  • Die geselligen Raupen häuten sich einige Male und verpuppen sich dann nach einer Fresszeit von etwa einem Monat in einer braunen oder hellgrünen Stürzpuppe, die mehrere Dornen und golden-metallische Flecken aufweist.
  • Die Entwicklung vom Ei bis zum Falter ist sehr stark temperaturabhängig und dauert zwischen einem und zwei Monaten, wobei die Hälfte der Zeit auf das Raupen- und je ein Viertel auf das Ei- und Puppenstadium entfallen.
  • Die Raupen des Kleinen Fuchses haben eine ausgesprochene Vorliebe für frisches Grün, so dass die Falter ihre Eier meist an frisch austreibende Brennnesseln setzen.
  • Etwa zwölf Tage nach der Verpuppung schlüpfen die fertigen Falter, die nach einigen Stunden zu fliegen beginnen.
  • Abhängig von den Temperaturbedingungen können pro Saison drei Generationen entstehen, wobei die letzte überwintert und im nächsten Jahr wieder ab März erscheint.
  • In warmen Regionen fliegen die Schmetterlinge bis Oktober, in kälteren Gebieten nur bis August.
  • Die Schmetterlinge und Puppen werden von verschiedenen Vögeln und anderen Insektenfressern erbeutet.
  • Die Raupen hingegen werden nicht gefressen, was vermutlich an der abschreckenden Wirkung ihrer auffälligen Färbung liegt. Lediglich einige parasitäre Fliegenarten legen ihre Eier auf den Raupen ab, die dann den Larven als Nahrung dienen.