Aus Verweigerern werden Schulabgänger

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Die Timeout-Jugendhilfe hat sieben ehemalige Schulverweigerer feierlich verabschiedet.

aus: BADISCHE ZEITUNG vom Mittwoch, 25. Juli 2018

BREITNAU (BZ). Sieben ehemalige Schulverweigerer sind von der Timeout-Jugendhilfe feierlich verabschiedet worden – mit ihren Schulabschlusszeugnissen im Gepäck. Im vollbesetzten Festsaal des Hofgut Rössle feierten Eltern und Verwandte ebenso wie zahlreiche Mitarbeiter und Jugendliche der verschiedenen Timeout-Standorte.

Zwei der Absolventen werden auf weiterführenden Schulen einen noch höheren Schulabschluss anstreben, einer beginnt eine Ausbildung in einem Sanitätsfachgeschäft, einer wird eine landwirtschaftliche Lehre beginnen, einer das Handwerk des Fliesenlegers erlernen, eine Schülerin macht eine Ausbildung zur Pferdewirtin und eine weitere wird zunächst weitere berufsorientierende Praktika absolvieren.

"In wenigen Augenblicken werdet Ihr Euer Schulabschlusszeugnis erhalten. Dieses zu erreichen, hatten einige von Euch selbst wohl nicht für möglich gehalten und andere noch kaum daran geglaubt", sagte Hubert Schwizler, schulischer Leiter der Timeout-Jugendhilfe, zu den Abgängern. Er erinnerte an Alexander Schmorell, den auf den Tag genau vor 75 Jahren ermordeten Widerstandskämpfer der Weißen Rose, an dessen Mut und Menschlichkeit. "Er wurde nur 25 Jahre alt, gerade mal so alt wie es unser lieber Kornelius hier oder mein Sohn Mathis heute sind", sagte Schwizler. "Solchen Mut und solche Entschlossenheit wünsche ich Euch auf Eurem Lebensweg."
Es müsse nicht so dramatisch verlaufen und tragisch enden wie bei Alexander Schmorell und den anderen Mitgliedern der Weißen Rose. Gelegenheiten aber, sich als ein anständiger und demütiger Mensch zu erweisen, gebe es für alle – jeden Tag.

In einer der letzten Unterrichtsstunden vor den Prüfungen sei er von den Schülern gefragt worden: "Wirst Du uns vermissen?" Er habe, wohl zu ihrer Enttäuschung, geantwortet: "Nein, das werde ich nicht!" Und fügte hinzu: "Wenn ich etwas vermisse, meinen Geldbeutel zum Beispiel oder einen Schlüssel, so wünschte ich doch, dass dieser Gegenstand zu mir zurückkehrte und bei mir verbliebe, ja dass er mich nie verlassen hätte. Wie könnte ich als Pädagoge und Erzieher, jetzt da das Leben diese jungen Menschen erwartet mit all ihren Vorlieben, Eigenarten und Begabungen, mir wünschen, dass sie doch bleiben mögen? Ich werde sie nicht vergessen. Ich werde an sie denken. Ich werde für sie bitten. Aber ich werde sie nicht vermissen!"