Ein Waldkindergarten für Hinterzarten

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Gemeinderat entscheidet sich für einen Bauwagen, der seinen Standort nahe des Mathislehofs haben wird - 20 neue Plätze.

von Susanne Gilg; in BADISCHE ZEITUNG vom 25. Oktober 2018

HINTERZARTEN. Hinterzarten bekommt ab 2019 einen Waldkindergarten: Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend einstimmig beschlossen. Zur Wahl hatte auch eine Erweiterung des bestehenden Hinterzartener Kindergartens gestanden. Für den Waldkindergarten hat sich eine Elterninitiative gebildet, die Trägerschaft wird die Breitnauer Timeout-Jugendhilfe übernehmen, die bereits einen Waldkindergarten in Littenweiler betreibt.

Dass es eng wird im Kindergarten St. Josef, das ist in Hinterzarten schon seit einiger Zeit Gesprächsthema. In einer öffentlichen Gemeinderatssitzung am 17. April hatte die Verwaltung den Gemeinderat darüber informiert, dass die Kindergartenplätze im ersten Halbjahr 2019 nicht mehr ausreichen werden. Ebenso, wie im darauffolgenden Kindergartenjahr (die BZ berichtete).

Nun hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend, zu der viele Eltern gekommen waren, die Weichen für 20 neue Kindergartenplätze gestellt. Zur Auswahl hatten mehrere bauliche Erweiterungen im Kindergarten St. Josef und die Einrichtung eines Waldkindergartens gestanden. Einstimmig entschied sich das Hinterzartener Gremium für den Waldkindergarten.

Hauptamtsleiter Heiko Wehrle zeigte dem Gremium, in dem am Dienstagabend drei Gemeinderäte verhindert gewesen waren, die beiden Möglichkeiten und deren Kosten auf, mit denen zusätzliche Kindergartenplätze für Hinterzarten geschaffen werden könnten:» Erweiterung des bestehenden Kindergartens: 1) Umbau der Schulküche in Räume für Betreuungspersonal: 160.000 Euro (Zuschussmöglichkeit: 15.000 Euro), 2) Umbau der Schulküche in einen Gruppenraum für 15 Kinder: 220.000 Euro (Zuschussmöglichkeit: 52.000 Euro), 3) Umbau der Schulküche in einen Gruppenraum für 20 Kinder: 230.000 Euro (Zuschussmöglichkeit: 70.000 Euro); laufende jährliche Kosten: 136.000 Euro, davon Gemeindeanteil 122.400 EuroBauwagen für den Waldkindergarten: 72.000 Euro (Zuschussmöglichkeit: 50.400 Euro); laufende jährliche Kosten: 165.000 Euro

Bianca Fischer, Vertreterin der Elterninitiative, die selbst fünf Jahre im Waldkindergarten in Furtwangen gearbeitet hat, stellte den Waldkindergarten vor, der im April 2019 starten könnte, sofern noch in diesem Monat der Bauwagen bestellt wird. Als Standort für den Bauwagen ist ein Platz unweit des Mathislehofs gefunden worden (siehe Karte rechts). "Treffpunkt wäre der Wanderparkplatz an der Erlenbruck um 7.30 Uhr, von wo aus wir dann zum Bauwagen laufen", informierte Bianca Fischer. Das Gelände gehört der Universität Freiburg, die einer Nutzung durch den Waldkindergarten zugestimmt habe, sagte Hauptamtsleiter Heiko Wehrle. Auch eine Kooperation mit dem Mathislehof, auf dem ökologischer Landbau betrieben wird, sei angedacht: "Wir planen, einmal im Monat mit dem Mathislehof etwas gemeinsam zu machen – zum Beispiel Kartoffeln ernten oder auf dem Grillplatz Stockbrot machen", berichtete Bianca Fischer. Hubert Schwizler, der bei der Timeout-Jugendhilfe als Lehrer arbeitet und die Presse-und Öffentlichkeitsarbeit betreut, sagte: "Uns hat das Konzept überzeugt, sodass wir gerne die Trägerschaft übernehmen." Die Jugendhilfe ist bereits Träger des Waldkindergartens "Die Eichbergkinder" in Littenweiler.

20 Kinder könnten maximal den Waldkindergarten besuchen, bis zum Eintrittsdatum 1. Februar 2021 hat die Elterninitiative nach eigenen Angaben 23 Anmeldungen vorliegen.

"Jeder muss für sich herausfinden, ob der Waldkindergarten etwas für sein Kind ist", sagte Bianca Fischer. Die Elternbeiträge seien noch nicht festgelegt, in Littenweiler lägen sie rund zehn bis 20 Euro über den Beiträgen für den Regelkindergarten. Bei schlechtem Wetter und klirrender Kälte könne die Gruppe im katholischen oder evangelischen Pfarrzentrum unterkommen.

"Ich bin positiv überrascht, wie weit der Werdegang des Waldkindergartens schon ist", sagte Gemeinderat Florian Hofmeier, und fügte hinzu: "Für Hinterzarten wäre das eine Bereicherung – wenn man auch einen erfahrenen Träger hat, ist das eine tolle Sache."

Auch seine Ratskollegin Annette Reppert lobte das Engagement: "Ich finde das sehr positiv – vor allem das Engagement, das in der kurzen Zeit aus dem Boden geschossen ist." Es erstaune sie allerdings, dass keine Eltern anwesend seien, die einen neuen Raum im bestehenden Kindergarten möchten. "Der jetzt ausgesuchte Platz ist echt super", sagte Eugen Winterhalder, der als Revierförster sämtliche Waldstücke in und um Hinterzarten kennt. "Kostenmäßig müssen wir uns aber im Klaren sein, dass uns der Waldkindergarten 40.000 Euro pro Jahr mehr kostet", sagte Winterhalder.

Abel Unmüßig war es wichtig zu betonen, dass im Falle des Falles Kindergartenleiterin Gabriele Baier oder Hauptamtsleiter Heiko Wehrle Eltern, die gerne einen Platz im Kindergarten St. Josef hätten, sagen müssten, dass es nur noch Plätze im Waldkindergarten gebe. "Das will ich vermerkt haben", so Unmüßig. Erst einmal solle der Waldkindergarten nur für Kinder aus dem Kirchspiel offen sein, sagte Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch auf die Frage, ob auch Kinder aus anderen Gemeinden aufgenommen werden.

Einstimmig fiel schließlich der Beschluss des Gremiums für den Waldkindergarten.