Ein Plädoyer gegen das Vergessen

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Auschwitz-Überlebender berichtet im Hofgut Rössle in Breitnau.

in BADISCHE ZEITUNG vom 15. November 2016

BREITNAU (BZ). Mit seinen 92 Jahren zählt Leon Weintraub zu den letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz. Er setzt sich dafür ein, die Erinnerung lebendig zu halten. Am Freitag, 16. November, 10 Uhr, erzählt er im Hofgut Rössle aus seinem Leben.

Im Oktober 2015 war Weintraub bei den vom Maximilian-Kolbe-Werk vermittelten Zeitzeugen-Gespräche schon einmal auf den Nessellachen. Gemeinsam mit seiner Frau kehrte er im April 2017 zu einem weiteren Besuch zurück.

Leon Weintraub wird 1926 in Lodz/Polen geboren. Ein Jahr später stirbt sein Vater. Die Mutter muss Leon und seine vier Schwestern allein großziehen. Bis zum Kriegsausbruch geht Leon sechs Jahre in die Schule. Im Winter 1939 muss Familie Weintraub ins Ghetto Litzmannstadt umsiedeln, das von den Deutschen in Lodz errichtet wird. Im August 1944 wird Leon mit seiner Mutter und den Schwestern nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er von seinen Angehörigen getrennt wird. Seine Mutter sieht er nie wieder: sie wird kurz nach der Ankunft im Lager vergast. Leon selbst übersteht die Selektion, da er für arbeitstüchtig befunden wird. Sechs Wochen später gelingt es ihm, aus Auschwitz nach Dörnhau, in ein Außenlager des KZ Groß-Rosen, zu entkommen. Später folgen die Konzentrationslager Flossenbürg und Natzweiler-Struthof. Die Befreiung erlebt Leon Weintraub kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges durch französische Truppen in Donaueschingen.

1946 nimmt Weintraub in Göttingen das Medizinstudium auf. Er heiratet eine Deutsche und gründet eine Familie. Seine Frau, Katja Hof, hatte Slavistik studiert. Ihre Übersetzungen von Janusz Korczaks Büchern trug entscheidend mit dazu bei, dass Korczak im Jahre 1972 posthum der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zuerkannt wurde.

1950 kehrt Weintraub nach Polen zurück und wird in einer Frauenklinik in Warschau als Gynäkologe angestellt. 1966 promoviert er. 1969 verliert er in Folge des zunehmenden Antisemitismus in Polen seine Anstellung als Oberarzt. Daraufhin wandert er mit seiner Familie in das neutrale Schweden aus. 2004 wird Leon Weintraub in Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Heute lebt er mit seiner zweiten Frau Evamaria in der schwedischen Hauptstadt Stockholm und engagiert sich als Zeitzeuge gegen das Vergessen. Seine Botschaft an junge Menschen lautet: "Die Erinnerung an das Geschehene lebendig zu halten, ist eine Art Gewähr dafür, dass so etwas nie wieder vorkommt.

Voranmeldung zum Vortrag unter Tel. 0176/98346316 bis zum Vorabend