Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz zu Besuch im Hofgut Rössle

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Unterrichtsbesuch und Zeitzeugen-Gespräch mit Dr. Leon Weintraub am 27. April 2017

Im Oktober 2015 durften wir Dr. Leon Weintraub hier auf den Nessellachen im Rahmen der vom Maximilian-Kolbe-Werk vermittelten Zeitzeugen-Gespräche kennenlernen. Die Begegnung lebt noch stark im Bewusstsein aller damals Anwesenden. Dr. Weintraubs liebenswürdiger Humor hatte uns alle tief berührt. Gemeinsam mit seiner Frau plant er nun für Ende April einen privaten Besuch in Freiburg und wünscht sich ganz besonders ein Wiedersehen mit uns. Der damalige Besuch im Hofgut Rössle hat auch bei ihm einen tiefen Eindruck hinterlassen. Wir freuen uns auf das Wiedersehen!

Leon Weintraub wird 1926 in Lodz/Polen geboren. Ein Jahr später stirbt sein Vater. Die Mutter muss Leon und seine vier Schwestern allein großziehen. Bis zum Kriegsausbruch geht Leon sechs Jahre in die Schule. Im Winter 1939 muss Familie Weintraub ins Ghetto Litzmannstadt umsiedeln, das von den Deutschen in Lodz errichtet wird. Im August 1944 wird Leon mit seiner Mutter und den Schwestern im Zuge der Liquidierung des Ghettos nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er von seinen Angehörigen getrennt wird. Seine Mutter sieht er nie wieder: sie wird kurz nach der Ankunft im Lager vergast. Leon selbst übersteht die Selektion, da er für arbeitstüchtig befunden wird. Sechs Wochen später gelingt es ihm, aus Auschwitz nach Dörnhau, in ein Außenlager des KZ Groß-Rosen, zu entkommen. Später folgen die Konzentrationslager Flossenbürg und Natzweiler-Struthof. Die Befreiung erlebt Leon Weintraub kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges durch französische Truppen in Donaueschingen. 

1946 nimmt Leon in Göttingen das Medizinstudium auf. Er heiratet eine Deutsche und gründet eine Familie. Seine Frau, Katja Hof, hatte Slavistik studiert. Ihre Übersetzungen von Janusz Korczaks Büchern trug entscheidend mit dazu bei, daß Korczak im Jahre 1972 posthum der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zuerkannt wurde.

1950 kehrt Weintraub nach Polen zurück und wird in einer Frauenklinik in Warschau als Gynäkologe angestellt. 1966 promoviert er. 1969 verliert Dr. Weintraub in Folge des zunehmenden Antisemitismus in Polen seine Anstellung als Oberarzt. Daraufhin wandert er mit seiner Familie in das neutrale Schweden aus.

2004 wird Leon Weintraub in Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Heute lebt Dr. Leon Weintraub mit seiner zweiten Frau Evamaria in der schwedischen Hauptstadt Stockholm und engagiert sich seit mehreren Jahren als Zeitzeuge gegen das Vergessen. Seine Botschaft an junge Menschen lautet: „Die Erinnerung an das Geschehene lebendig zu halten, ist eine Art Gewähr dafür, dass so etwas nie wieder vorkommt. - Das Schlimmste ist das Vergessen."

Für interessierte Mitbürger*innen und Zeitgenoss*innen öffnen wir dieses Zeitzeugen-Gespräch mit Dr. Leon Weintraub, bitten jedoch um Verständnis dafür, dass die Anzahl der Plätze begrenzt ist und Schüler/Studenten dabei bevorzugt berücksichtigt werden. Haben Sie Interesse an einer Teilnahme wenden Sie sich bitte per Mail an Herrn M. Hubert Schwizler.