Inobhutnahme

Bei der Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII handelt es sich um eine vorübergehende Unterbringung vor dem Hintergrund einer akuten Krise oder drohenden Gefahr, in der sich ein Minderjähriger befindet.

Dazu stellt die Einrichtung einen speziellen und geschützten Rahmen, der Abstand zur krisenauslösenden Situation bietet, die Versorgung sichert und die Situation klärt.

 

Zielgruppe/Zielsetzung

Das Angebot der Inobhutnahme richtet sich an Kinder/Jugendliche (Jungen) im Alter von 12 Jahren bis zum Erreichen der Volljährigkeit, die sich in einer akuten Notlage befinden und bei weiterer Entwicklung der Dinge eine erhebliche Schädigung an Körper, Geist und Seele erfahren würden. Sie stellt eine intensive sozialpädagogische Hilfestellung dar.

  • Kinder/Jugendliche können dabei selbst um Hilfe nachsuchen; so genannte Selbstmelder.

oder

  • Kinder/Jugendliche können durch das Jugendamt, die Polizei o. a. zugeführt werden.

Vorrangiges Ziel ist es, den Kindern/Jugendlichen möglichst schnell und unbürokratisch Hilfe zu bieten, ohne dass nach Möglichkeit ähnliche, überfordernde oder gefährdende Situationen wieder auftreten. 

Unmittelbare Ziele der Inobhutnahme sind:

  • Schutz und Zuwendung
  • Versorgung
  • Klärung der Situation
  • Erarbeitung von Perspektiven

 

Aufnahme

Die Aufnahmen erfolgen grundsätzlich in Abstimmung mit dem Jugendamt des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald. Die rechtlichen Voraussetzungen für eine Inobhutnahme ergeben sich, wenn ein Jugendlicher um Obhut bittet oder eine akute Gefahrenlage vorliegt, bei der das Tätigwerden des Jugendamtes keinen Aufschub duldet.

Jede Aufnahme wird über einen standardisierten Aufnahmebogen dokumentiert, der bereits im Vorfeld dem ASD zugänglich ist und per Fax zugestellt werden kann.

Ferner wird die aktuelle Belegungsübersicht über einen passwortgeschützen Zugang über unsere Homepage transparent dokumentiert.

Das Kind/der Jugendliche bekommt umgehend die Möglichkeit, eine Person seines Vertrauens zu benachrichtigen.

Nach der Aufnahme sind unverzüglich die Sorgeberechtigten von der Inobhutnahme und über das Gefährdungsrisiko zu unterrichten. Falls die Sorgeberechtigten der Maßnahme nicht zustimmen, muss der Jugendliche unverzüglich den Sorgeberechtigten übergeben werden oder zur Abwehr einer Gefährdung das Familiengericht angerufen werden.

Eine Erreichbarkeit und eine pädagogische Betreuung für 24 h/Tag ist sichergestellt.

Freiheitsentziehende Maßnahmen im Sinne des § 42 Abs. 5 und 6 SGB VIII sind ausgeschlossen. Voraussetzung für die Inobhutnahme ist, dass sich der Jugendliche auf die Maßnahme und die Rahmenbedingungen einlassen kann. 

 

Inobhutnahmeplätze der Timeout Jugendhilfe gGmbH

stehen an folgenden Standorten zur Verfügung:

 

Gesetzliche Grundlage

Sozialgesetzbuch (SGB) - Achtes Buch (VIII) - Kinder- und Jugendhilfe - (Artikel 1 des Gesetzes v. 26. Juni 1990, BGBl. I S. 1163)

§ 42 Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen

(1) Das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn

  1. das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet oder
  2. eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen die Inobhutnahme erfordert und
    die Personensorgeberechtigten nicht widersprechen oder eine familiengerichtliche Entscheidung nicht rechtzeitig eingeholt werden kann oder
  3. ein ausländisches Kind oder ein ausländischer Jugendlicher unbegleitet nach Deutschland kommt und sich weder Personensorge- noch Erziehungsberechtigte im Inland aufhalten.

Die Inobhutnahme umfasst die Befugnis, ein Kind oder einen Jugendlichen bei einer geeigneten Person, in einer geeigneten Einrichtung oder in einer sonstigen Wohnform vorläufig unterzubringen; im Fall von Satz 1 Nummer 2 auch ein Kind oder einen Jugendlichen von einer anderen Person wegzunehmen.

(2) Das Jugendamt hat während der Inobhutnahme die Situation, die zur Inobhutnahme geführt hat, zusammen mit dem Kind oder dem Jugendlichen zu klären und Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung aufzuzeigen. Dem Kind oder dem Jugendlichen ist unverzüglich Gelegenheit zu geben, eine Person seines Vertrauens zu benachrichtigen. Das Jugendamt hat während der Inobhutnahme für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen zu sorgen und dabei den notwendigen Unterhalt und die Krankenhilfe sicherzustellen; § 39 Absatz 4 Satz 2 gilt entsprechend. Das Jugendamt ist während der Inobhutnahme berechtigt, alle Rechtshandlungen vorzunehmen, die zum Wohl des Kindes oder Jugendlichen notwendig sind; der mutmaßliche Wille der Personensorge- oder der Erziehungsberechtigten ist dabei angemessen zu berücksichtigen.

(3) Das Jugendamt hat im Fall des Absatzes 1 Satz 1 Nummer 1 und 2 die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten unverzüglich von der Inobhutnahme zu unterrichten und mit ihnen das Gefährdungsrisiko abzuschätzen. Widersprechen die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten der Inobhutnahme, so hat das Jugendamt unverzüglich 

  1. das Kind oder den Jugendlichen den Personensorge- oder Erziehungsberechtigten zu übergeben, sofern nach der Einschätzung des Jugendamts eine Gefährdung des Kindeswohls nicht besteht oder die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten bereit und in der Lage sind, die Gefährdung abzuwenden oder
  2. eine Entscheidung des Familiengerichts über die erforderlichen Maßnahmen zum Wohl des Kindes oder des Jugendlichen herbeizuführen.

Sind die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten nicht erreichbar, so gilt Satz 2 Nummer 2 entsprechend. Im Fall des Absatzes 1 Satz 1 Nummer 3 ist unverzüglich die Bestellung eines Vormunds oder Pflegers zu veranlassen. Widersprechen die Personensorgeberechtigten der Inobhutnahme nicht, so ist unverzüglich ein Hilfeplanverfahren zur Gewährung einer Hilfe einzuleiten.

(4) Die Inobhutnahme endet mit 

  1. der Übergabe des Kindes oder Jugendlichen an die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten,
  2. der Entscheidung über die Gewährung von Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch.

(5) Freiheitsentziehende Maßnahmen im Rahmen der Inobhutnahme sind nur zulässig, wenn und soweit sie erforderlich sind, um eine Gefahr für Leib oder Leben des Kindes oder des Jugendlichen oder eine Gefahr für Leib oder Leben Dritter abzuwenden. Die Freiheitsentziehung ist ohne gerichtliche Entscheidung spätestens mit Ablauf des Tages nach ihrem Beginn zu beenden.

(6) Ist bei der Inobhutnahme die Anwendung unmittelbaren Zwangs erforderlich, so sind die dazu befugten Stellen hinzuzuziehen.