Die Historie des Hofgut Rössle

"... ouch mag er da selbß hin vff sin vyh weiden. Und sol er die wirtschafft vsehen ..."

Über die Ursprünge des Hofgut Rössle, aus einer Schrift von 1446

 

Um 1100 wurde am unteren Eingang des Höllentales die Burg Falkenstein gebaut. Spätestens seit dieser Zeit bestand ein mittelalterlicher Verkehrsweg (»eine elend harte Straß‘«) von Freiburg durch das Falkensteiner Tal, später Höllental genannt, nach Schaffhausen.

Eine Herberge auf der Nessellache findet erstmals im 15. Jahrhundert Erwähnung. In einer Schrift von 1446 heißt es: »Clewy Wechter der Wirt zu Valkenstein ... Ouch mag er holtzen vff der strosß ob dem engenbach hin vff zu sine huß zu notdurfft. Ouch mag er da selbß hin vff sin vyh weiden. Und sol er die wirtschafft vsehen ...«

Da eine Herberge und ein Wirtshaus an dieser Stelle jedoch nur Sinn hatten, wenn sie an einem oft benutzten Verkehrswege lagen, diente damals wohl ein Weg durch das obere Engenbachtal über die Nessellachen als nördliche Umgehung des Falkensteiner Tales. In einer über zweihundert Jahre alten Militärkarte aus dem Kriegsarchiv Wien ist diese Verbindung über Breitnau nach Steig ebenfalls eingezeichnet.

Im 16. Jahrhundert wurde diese Strecke für die reitende Post eine wichtige Verbindung der Kaiserlich-Thurn-und-Taxis‘schen-Reichspost. Diese Postlinie führte von Ensisheim im Elsass, damals die Hauptstadt von Vorderösterreich, über Freiburg nach Innsbruck. Aus Lage und Namensgebung des Rössle darf man wohl schließen, dass das Wirtshaus damals auch dem Pferdewechsel diente.

Spätestens seit 1700 befand sich das Wirtshaus »Zum Rössle« auf der Gemarkung Buchenbach. Auf einer Karte aus dem Jahre 1797 wird die Nessellache als Esellache bezeichnet.

Am 1. Januar 1977 wurde der Ortsteil Falkensteig-Nessellachen schließlich nach Breitnau umgemeindet.

Zu den Vorbesitzern und Bewohnern der Nessellachen gehörten neben den Land- und Gastwirten auch Uhren- und Löffelmacher, Spengler, Schuster und Schreiner, Sattler, Maurer und Tagelöhner, Auswanderer und Heimkehrer. Unzählige Menschen legten hier in diesem Schwarzwaldhof in den zurückliegenden Jahrhunderten eine Rast ein auf ihrer Reise von einem Ort zum andern. Sie fanden in diesem Haus bis zuletzt eine freundliche Aufnahme und herzhafte Verpflegung. Und daran sollte sich auch nichts ändern, als im Jahre 2002 mit Familie Gutzweiler die letzten Wirtsleute des Rössle den Hof an den Verein Timeout Jugendhilfe e.V. (heute Timeout gemeinnützige GmbH) verkauften. Denn heute sind es nun Kinder und Jugendliche, die auf ihres Lebens Reise von der Kindheit und Jugend zum Erwachsenenalter an diesem Ort ebenso freundliche Aufnahme und herzliche Pflege erfahren, durch Natur, durch Lebens- und Alltagsrhythmus, durch Liebe, Zuwendung und Vertrauen, durch engagierte Erzieher, Pädagogen und Lehrer.

Das Hofgut Rössle, es ist ein Haus der Rast und Gastfreundschaft geblieben!