Johannes der Täufer

Erstellt von mhs | |   Breitnau

Eine Ikone schmückt seit heute den Altar der Johannes Kapelle am Hofgut Rössle

Diese Johannes-Ikone wurde uns heute am Ende des Gottesdienstes zum Johannitag von einer langjährigen und wohlwollenden Begleiterin unserer Arbeit als Geschenk überreicht. Sie hat diese Ikone während eines zweiwöchigen Klosteraufenthaltes selbst gemalt.

Sie trägt die Segensworte und Widmung: 

"Johannes nachdenklich, aber sein Schicksal annehmend mit seinen Händen, Fellkleidung drückt hartes Leben aus. - SEID BEREIT, AUCH UNANGENEHMES ANZUNEHMEN! - Ich wünsche allen Menschen in Ihrer Einrichtung weiterhin Kraft, Geduld und Hingabe, bei der Erfüllung der pädagogischen Herausforderung!"

 

Herzlichen Dank, liebe I.H.!

 

Ansprache von Pastoralreferent Andreas Alt:

„Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ (Lk 1, 68). Diese Frage stellen sich in erster Linie Eltern, wenn ein Kind geboren wird. Natürlich wünscht man dem Kind nur das Beste, viel Glück und Erfolg, Gesundheit, Zufriedenheit, gute Freunde – kurzum: ein langes, glückliches Leben. „Was wird wohl aus diesem Kind werden?“, dachten vielleicht auch vor einiger Zeit manche Menschen aus Eurem Umfeld, liebe Jugendlichen, und dabei schwang womöglich einige Skepsis zwischen den Zeilen mit. Kommt der Junge nochmals in die Spur? Schafft es das Mädchen, sich endlich mal aufzurappeln und etwas für die Schule zu tun? „Was wird wohl aus diesem Kind werden?“, denkt vielleicht auch heute noch mancher der Betreuer hier bei Timeout mit einem Seufzen, wenn jemand wieder mal eine Ehrenrunde in ein so genanntes „unerwünschtes Verhaltensmuster“ dreht.

 Bei dieser Frage „Was wird wohl aus diesem Kind werden?“, so verständlich sie auf der einen Seite auch sein mag, schwingt häufig der Wunsch und die Vorstellung mit, unsere Kinder und Jugendlichen mögen sich zwar zu eigenständigen Menschen entwickeln, aber doch bitte nicht sich allzu weit entfernen von den Normen und Traditionen der Herkunftsfamilie, der Schule, der Gesellschaft. So dachten womöglich auch Elisabeth und Zacharias, als sie ihren Sohn Johannes entsprechend den jüdischen Bräuchen zur Beschneidung brachten. Gleichzeitig mussten sie erkennen, dass der neugeborene Sohn nicht einfach nur in der Kontinuität mit seinen Vorfahren steht. Althergebrachtes wird nicht einfach nur weitergeführt – sondern mit jeder Geburt wird immer auch etwas Neues zur Welt gebracht.

Der Vater Zacharias tat sich schon schwer damit anzuerkennen, dass für Gott nichts unmöglich ist. Dass Gott ausgerechnet in seinem Leben etwas Neues erwirkt, das hat ihn sprachlos gemacht. Es ist ja auch nicht in Worte zu fassen. Aber auch die Nachbarn und Verwandten sind zunächst dem Neuen gegenüber verschlossen. Sie wollen – wie gewohnt – das Alte weiterführen: »Er soll Zacharias heißen – wie sein Vater«.

Jeder neue Mensch ist aber eine neue Chance, etwas ganz Eigenes, nicht das Abziehbildchen seiner Vorfahren, auch wenn die das manchmal ganz gern hätten. Der Name des neugeborenen Sohnes der Elisabet und des Zacharias ist Programm: Johannes bedeutet »Gott hat Erbarmen«. Das zeigt sich in der Geburt dieses einen Menschen, mit dem keiner mehr gerechnet hatte – ganz individuell. Es zeigt sich aber auch in der Lebensaufgabe, die dieser Johannes übernimmt, den Menschen die Umkehr zu predigen und die Wege für den Messias zu bereiten.

In der Kapelle hier, die vor 10 Jahren erbaut wurde, hängt eine Glocke. Sie trägt den Namen Metanoeite – „Kehrt um!“, nach dem Bußruf Johannes des Täufers in der Wüste. Man kann dieses Wort auch anders übersetzen: „Denkt um, seht euer Leben doch mal ganz anders!“ Ich denke, so übersetzt steht dieses Motto über der ganzen Arbeit von Timeout. Und das soll nun auch die Frohe Botschaft des heutigen Festtages sein: „Seht die Menschen anders! Gebt sie frei, frei von euren Vorstellungen über sie, wie sie zu sein haben! Frei von euren Idealbildern, die doch oft nur Abziehbilder der eigenen Wünsche sind.“ So wie auch Zacharias seinen Sohn freigeben musste aus den eigenen Vorstellungen und Erwartungen, so werden auch wir nur dann die Sprache finden, die Zukunft eröffnet, wenn wir die Menschen, die aus uns hervorgehen, mit uns verbunden oder uns anvertraut sind, freigeben, wenn wir ihnen die Chance geben, sie selbst zu sein und nicht unsere Erwartungen und Festlegungen. Und natürlich ist das auch eine Frohe Botschaft für einen jeden und eine jede von uns selbst: Wir sind mehr als das, was man sich mal von uns vorgestellt hat, mehr als die Erwartungen unserer Eltern und Lehrer, Nachbarn und Verwandten. Jeder und jede von uns ist die Chance eines neuen Lebens. In einem jeden und einer jeden von uns wird auf ganz unterschiedliche und ganz eigene Weise das Erbarmen, die Zuwendung Gottes sichtbar. Wir dürfen wir selber sein – und gerade darin entsprechen wir dem Willen Gottes. Das ist eine – wie ich finde – wirklich Frohe Botschaft! – Amen.

© Andreas Alt, teilweise nach einer Idee von Joachim Koffler