Alexander Schmorell und das geistige Russland

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Vortrag von Prof. Dr. Peter Selg anlässlich des 75. Todestages des Widerstandskämpers gegen den Nationalsozialismus (Mitverfasser der ersten vier Flugblätter der Weißen Rose)

Sonntag, 15. Juli 2018, 11h
Festsaal des Hofguts Rössle
Nessellachen - Breitnau

ALEXANDER SCHMORELL

16. September 1917 - 13. Juli 1943

Der 1917 in Orenburg/Russland geborene Alexander Schmorell entstammt einer deutsch-russischen Familie, die seit 1921 in München lebt. Er wächst mit starken Bindungen an seine russische Herkunft auf, zu Hause wird Russisch gesprochen. Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 tritt Schmorell der SA bei und wird 1934 Mitglied der Hitlerjugend, wendet sich jedoch schon 1937 während seines Arbeitsdienstes radikal gegen die geistige Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus. Nach dem Wehrdienst beginnt er 1939 in Hamburg mit dem Medizinstudium, das er im Wintersemester 1939 in München fortsetzt.

Im Juni 1941 lernt Alexander Schmorell in der 2. Studentenkompanie der Heeressanitätsstaffel in München Hans Scholl kennen. Beide sind seit April 1941 hier kaserniert. Ein Jahr später setzt auch Willi Graf sein Medizinstudium in dieser Kompanie fort. Hans Scholl und Alexander Schmorell verfassen die ersten vier Flugblätter der Weißen Rose, ehe sie gemeinsam mit Willi Graf Ende Juli 1942 zu einer "Feldfamulatur" an die Ostfront abkommandiert werden. Das Land und die Menschen beeindrucken Alexander Schmorell tief. Unter dem Eindruck der verbrecherischen Kriegsführung solidarisiert er sich mit der einheimischen Bevölkerung. Nach der Rückkehr suchen Schmorell, Scholl und Graf Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen. Schmorell nimmt auch an der Herstellung des fünften und sechsten Flugblattes der Weißen Rose teil. Im Februar 1943 schreiben Alexander Schmorell, Hans Scholl und Willi Graf Freiheitsparolen an Münchener Hausfassaden. Nach der Festnahme von Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 versucht Schmorell zu fliehen. Als er nach München zurückkehrt, wird er am 24. Februar 1943 in einem Luftschutzkeller entdeckt und sofort festgenommen, am 19. April 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 13. Juli 1943 im Strafgefängnis München-Stadelheim ermordet.

Eintritt frei; Spenden zu Gunsten des Ita Wegman Instituts sind hochwillkommen!

Peter Selg ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Autor zahlreicher Publikationen besonders zur anthroposophischen Medizin sowie zur Geschichte der Anthroposophie.

Peter Selg besuchte von 1975 bis 1983 das Gymnasium in Wendlingen am Neckar, das er mit dem Abitur abschloss. Es folgten zwei Jahre Zivildienst in der Krankenpflege in München. 1986 begann Selg ein Studium der Humanmedizin an der Universität Witten/Herdecke. Er war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Nach einem praktischen Jahr an den Unikliniken in Berlin und Zürich promovierte er 1993 mit einer Studie über den Leib-Begriff Rudolf Steiners, die später unter dem Titel "Vom Logos menschlicher Physis" veröffentlicht wurde. Danach erfolgte die Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Er arbeitete in diesem Bereich sieben Jahre (bis 2000) im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke.

Peter Selg war Mitarbeiter am Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie und bei der Medizinischen Sektion am Goetheanum. Von 2002 bis 2006 war er leitender Arzt an der Ita-Wegman-Klinik in Arlesheim. Er arbeitet als Leiter des Ita-Wegman-Instituts für anthroposophische Grundlagenforschung, als Professor für medizinische Anthropologie an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Selg hat zahlreiche Bücher zu medizinischen Themen und Biografien verschiedener Persönlichkeiten veröffentlicht. Er ist als Vortragsredner tätig und lebt bei Freiburg.