Raum der Stille und Besinnung

Erstellt von mhs | |   Presse

BZ-SERIE HOFKAPELLEN IM HOCHSCHWARZWALD: Die Johannes-Kapelle am Hofgut Rössle dürfte die jüngste Kapelle in der Region sein.

BREITNAU. Die Johannes-Kapelle am Hofgut Rössle auf den Nessellachen dürfte die jüngste Kapelle im Hochschwarzwald sein. Die Jugendhilfeeinrichtung Timeout hat an ihrem Hof in Breitnau im Jahr 2007 den Holzständerbau errichtet. "Wir wollten seinerzeit einen Raum der Stille und der Besinnung für die Jugendlichen und die Mitarbeiter bauen", berichtet vom Timeout-Team Katrin Veigel-Götte. "Der Alltag ist hier oft sehr laut, sodass wir einen Ruhe- und Rückzugsraum schaffen wollten." Dieser steht aber auch allen Mitbürgern, Wanderern und Pilgern als solcher zur Verfügung und dient der Feier der Jahresfeste.

In einer Gemeinschaftsaktion von Jugendlichen der Einrichtung und Schülern der dritten Klasse der Freien Waldorfschule Freiburg-Wiehre, unterstützt von zwei Zimmerleuten auf Wanderschaft, wurde die Johannes-Kapelle in nur knapp einem halben Jahr fertiggestellt.

Den Besuchern, und das sind nicht wenige, bietet sich ein lichtdurchfluteter heller Raum mit acht einfachen Holzbänken und einem geschmiedeten Altar, über dem ein Bild angebracht ist.

Den modernen, schlicht gehaltenen Altar entwarf und fertigte der Freiburger Bildhauer Jürgen Grieger-Lempellus. Die vier großen Glasfenster wurden durch Bernhard Hanel aus Stuttgart mit Bienenwachs farbig gestaltet.

Die Kapelle selbst ist ein Ständerbauwerk, die Wände wurden mit Lehmsteinen ausgefacht und verputzt. Außen erhielt das Gebäude eine Holzverschalung und passt sich so wunderbar in die Landschaft ein.

Die Glocke im Turm der Kapelle wurde vor Ort gegossen und trägt die Aufschrift "Metanoeite" (Wandelt Euch! Denkt um!). Auf dem Altar befinden sich eine Muschel als Zeichen dafür, dass an dieser Stelle ein Jakobus-Pilgerweg vorbeiführt, eine Bibel, zwei Kerzenständer, ein Kreuz und eine Ikone mit dem Bild des Hl. Johannes des Täufers. "Unsere Johannes-Kapelle ist offen für alle", sagt Katrin Veigel-Götte. Tatsächlich nutzen den Gottesraum viele Menschen, dort werden Hochzeiten, Taufen und Gottesdienste durchgeführt.

"Es ist ein überkonfessioneller Raum", erklärt die Timeout-Mitarbeiterin. "Zuletzt wurde hier eine Goldhochzeit gefeiert und ein Kind aus der Nachbarschaft getauft."

Die Johannes-Kapelle hatte aller Wahrscheinlichkeit nach bereits eine Vorgängerin. Wie sich nachträglich herausstellte, stand sie wohl schon dort, wo auch die heutige Kapelle errichtet wurde, und von wo aus man einen herrlichen Blick ins Tal hat.

in: Badische Zeitung vom 19. September 2018