Schulverweigerung und Schulunlust

Schulverweigerung und Schulunlust haben viele Ursachen. Alle Schularten und gesellschaftlichen Kreise sind davon betroffen. Kinder und Jugendliche scheitern immer öfter an den Erwartungen von Elternhaus, Schule und Gesellschaft und haben eine Vielzahl peinigender, verstörender, entmutigender Ereignisse und Erlebnisse zu verkraften. Viele von ihnen sehen sich schließlich als Versager abgestempelt und sind am Ende gar selbst der Meinung, nichts mehr wert zu sein - „Ich bin nichts! Ich kann nichts! Aus mir wird nichts!“. Sie „scheitern“ an der Verwechslung von Schule mit einem Lern-“Betrieb“, der seine Abläufe und Standards zunehmend aus der Industrie kopiert und somit in analoger und konsequenter Weise eben auch „Ausschuss“ produziert. 

Timeout bietet erfahrene sowie vielseitig qualifizierte Fachkräfte und ein breites Angebotsspektrum, um Kinder und Jugendliche ganzheitlich und auf den jeweiligen Hilfebedarf abgestimmt zu fördern. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen bildet die Gestaltung des Zusammenlebens in der Gemeinschaft. Die Einheit von Zusammenleben und Zusammenlernen bietet ein reiches Erfahrungs- und Übungsfeld im Hinblick auf die Erlangung und Vertiefung sozialer Kompetenzen.

Bei Timeout auf dem Hofgut Rössle können Schüler ihre Lernbegierde neu entfachen, Interesse entwickeln und Talente entdecken. Zunächst während einer dreimonatigen „Auszeit“ vom Unterricht im Klassenzimmer an zahlreichen außerschulischen Lernorten und Erfahrungsräumen in Forst-, Land-, Hauswirtschaft und Milchverarbeitung. Denn in Wald, Garten, Stall, Werkstatt und Küche können sie bisher ungeahnte Fähigkeiten an sich entdecken. Dies ermutigt im Sinne der von Hartmut von Hentig geforderten „nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein“. Für die Erfahrung einer starken Selbstwirksamkeit sind das unverzichtbare Erlebnisse.

Nachdem solcherart sinnhaftes Tätigsein in der Gemeinschaft das Selbstvertrauen stärkte, stellt sich das Verlangen auch nach schulischem Lernen meist ganz von selbst wieder ein. In Absprache mit den Lehrern und Erziehern dürfen die Kinder und Jugendlichen in der Folge selbst bestimmen, in welchem Umfang und in welchem Tempo sie wieder an den schulischen Unterrichtsangeboten teilnehmen.  An Stelle von „Compliance“ wird dabei Kreativität gefördert, an Stelle von Konformität wird Diversität als naturgegeben betrachtet und danach gestrebt, ihr mit individueller Förderung zu begegnen. 

Den Kindern und Jugendlichen wird hier ein sicherer Ort geboten, ein Stück Heimat auf Zeit. Dies verschafft ihnen eine Atempause, in der sie sich neu orientieren, neue Kraft sammeln und neuen Mut schöpfen können. Denn jeder Mensch ist ein Könner! Wer das einmal verstanden hat, kann diesen Könner in sich selbst freisetzen und anderen dabei helfen, ihn zu entdecken.

Von Anfang gehörte dabei die konsequente Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung zum Konzept unserer Einrichtung. So leben und lernen hier Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung ebenso zusammen wie solche mit schweren Traumatisierungen oder ernsthaften chronischen Erkrankungen.