Das Hofgut Rössle - ein sicherer Ort

"Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein -

Ich wünsche, dass junge Menschen erfahren, was eine Gemeinschaft ist - eine größere als die Familie, in die sie hineingewachsen sind, und eine weniger künstliche und zufällige als die Schulklasse, in die man sie hineinverwaltet hat; dieses Erlebnis sollte so sein, dass sie vieles von dem, was sie lernen, für die Aufrechterhaltung dieser Gemeinschaft einzusetzen bereit sind, ja dass sie es zu einem großen Teil um ihretwillen - um ihrer eigenen Fortsetzung und Vervollkommnung willen - lernen."

Hartmut von Hentig (*1925) 

 

Der im Mai 2002 gegründete Verein Timeout Jugendhilfe e.V. (heute Timeout Jugendhilfe gGmbH) erwarb im August 2002 das Hofgut Rössle in Breitnau, das heutige Stammhaus der Timeout Jugendhilfe gGmbH, um hier einen »sicheren Ort« zu schaffen, von dem aus die Kinder und Jugendlichen das Leben, die eigene Biographie aus einer neuen Perspektive sehen lernen.

Ein halbes Jahr später wurden hier die ersten schulmüden und schulverweigernden Jugendlichen aufgenommen.

Auf den abgelegenen Nessellachen in knapp 1000 m Höhe haben die Kinder und Jugendlichen während einer Auszeit die Gelegenheit in den Bereichen, Land-, Forst- und Hauswirtschaft des Hofgut Rössle mitzuwirken, um zunächst Abstand von den schulischen oder auch familiären Problemen zu bekommen.

In den ersten drei Monaten ihrer »Auszeit« sind die Kinder und Jugendlichen von der Teilnahme am Unterricht freigestellt, um sich an ihrem neuen Lebensort zu akklimatisieren. Land-, Vieh-, Forst- und Hauswirtschaft bieten allerdings auch in dieser Zeit eine große Vielfalt an außerunterrichtlichen Lernorten und Erfahrungsräumen, in denen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt werden können. Damit kann das Selbstwertgefühl wieder wachsen.

Denn in Wald und Garten, Stall, Werkstatt und Küche können die Kinder und Jugendlichen bisher ungeahnte Fähigkeiten an sich entdecken, selbständig und eigenverantwortlich tätig werden und dadurch ermutigende Erlebnisse haben, ganz im Sinne der von Hartmut von Hentig geforderten »nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein«. Aus den Erfahrungen eines menschenfreundlich gestalteten Alltags können sich neue Neigungen und Interessen ergeben, die das Lernen erleichtern oder sogar zur Freude werden lassen.

Nach Ablauf dieses Zeitraums dürfen die Kinder und Jugendlichen in Absprache mit den Lehrern und Betreuern selbst bestimmen, in welchem Umfang und in welchem Tempo sie wieder am Unterrichtsangebot teilnehmen.

In der Regel kommen sie nämlich von selbst irgendwann ganz überraschend mit der Frage und Bitte »Wann kann ich wieder in die Schule kommen?« auf den Lehrer zu. Die Teilnahme an Schule und Unterricht geschieht somit ohne Druck und Zwang. Einzige Voraussetzung ist: Der Jugendliche selbst muss es wollen.

Nachdem sinnhaftes Tätigsein in der Gemeinschaft das Selbstvertrauen stärkte, stellt sich das Verlangen auch nach schulischem Lernen meist ganz von selbst wieder ein. Die gemeinsame Zeit bei uns wird intensiv zur Aufarbeitung der Problematik genutzt, die zur Schulverweigerung geführt hat. Mitarbeiter mit einer Zusatzausbildung in systemischer Familienberatung stehen hierfür zur Verfügung.

Im Besonderen bieten wir:

  • praktische, verantwortungsvolle Tätigkeiten in der Land-, Forst- und Hauswirtschaft
  • Leben in einer kleinen Gemeinschaft mit fester Tagesstruktur
  • Gestaltung des Tages-, Wochen-, und Jahresrhythmus u.a. durch gemeinsame Aktivitäten, Gruppensitzungen und gemeinsame Feste
  • künstlerische Angebote im Bereich Musik und Theater
  • erlebnispädagogische Angebote
  • intensive Einzel- und Gruppenarbeit, Mädchen- und Jungenarbeit
  • schulvorbereitende Maßnahmen durch individuelle Lern- und Förderangebote
  • praxisorientierte Projekte, z.B. Angebote in der Holzwerkstatt
  • Hilfe bei Wiedereingliederung in die Schule
  • gegebenenfalls Hilfe bei beruflicher Orientierung
  • enge Kooperation mit Erziehungsberechtigten und Schulen
  • regelmäßige Informationstage mit Eltern bzw. Erziehungsberechtigten
  • Kooperation mit anderen sozialen Einrichtungen