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Kultur in Zeiten von Corona

Erstellt von mhs | |   Kultur

Die Einschränkungen und Verordnungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie führen zu Absagen von Veranstaltungen im Rahmen der "Kultur im Rössle 2020"

Liebe Freunde der "Kultur im Rössle",
liebe Freunde der timeout Kinder- und Jugendhilfe,

noch Mitte Februar diesen Jahres hatte die Badische Zeitung unter der Überschrift "Begegnungen der besonderen Art" die Mitbürgerinnen über die siebte Auflage der Veranstaltungsreihe "Kultur im Rössle" informiert.

Als Veranstalter sehen wir uns nun gezwungen, zunächst jene Veranstaltungen, welche für den Zeitraum April bis Juli 2020 angekündigt waren, abzusagen. (Aktuelle Informationen hierzu finden Sie auch unter: www.timeout.eu/kultur, www.facebook.com/kulturimroessle).

Die aktualisierten Verordnungen und Empfehlungen der Bundes- und Landesregierung machen diesen Schritt unseres Erachtens notwendig. Die Erwägungen und Überlegungen, die uns dabei leiteten, teilten wir den betroffenen Künstlerinnen in folgendem Schreiben mit. Wir bitten Sie, dies ebenfalls zur Kenntnis zu nehmen und hoffen auf Ihr Verständnis:

Breitnau-Nessellachen, 16. April 2020

Liebe Künstlerinnen und liebe Künstler,

lange mussten wir Sie in den zurückliegenden Wochen im Ungewissen lassen hinsichtlich der im Rahmen der "Kultur im Rössle 2020" geplanten und bereits angekündigten Konzerte. Uns ist durchaus bewusst, dass dies gerade auch für Sie eine extrem belastende Situation darstellte. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und Ihre Geduld.
Die mit der Pandemie einhergehenden Beschränkungen werden wohl auch weiterhin für selbständige Künstlerinnen noch eine besondere Belastung darstellen.

Seit gestern liegen uns nun die aktualisierten Verordnungen und Empfehlungen der Bundes- und Landesregierung Baden-Württemberg vor.

Wir sehen uns vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen gezwungen, zunächst jene Veranstaltungen der "Kultur im Rössle 2020" abzusagen, die im Zeitraum der Monate April bis Juli liegen.

Gerne möchten wir Ihnen jene Erwägungen und Überlegungen erläutern, die zu diesem Entschluss geführt haben:

Zwar sind unsere Konzerte keine "Großveranstaltungen" im Sinne der Verordnung der Landesregierung, aber bei unserem Publikum handelt es sich zu einem nicht unerheblichen Teil um Personen im Alter von 65 +x Jahren, also um eher besonders gefährdete Personen. Mit deren Erscheinen werden wir daher nicht rechnen können; das heißt, die ohnehin überschaubare Anzahl an Besucherinnen unserer Veranstaltungen schrumpft und damit auch die zu erzielenden Einnahmen durch Eintrittsgelder. Die sanitären Einrichtungen im Hofgut Rössle werden den erhöhten Hygieneanforderungen nicht gerecht, bauliche Veränderungen wären wohl notwendig. Ferner besteht weiterhin die Gefahr, dass das Virus auf diesem Wege in die hier beheimatete Wohngruppe der stationären Jugendhilfe gelangt (mit den entsprechenden Konsequenzen: Quarantäne, evtl. Evakuierung usw.) - oder umgekehrt Konzertbesucherinnen oder Musikerinnen durch Bewohnerinnen/Mitarbeiterinnen angesteckt werden könnten. Eine strenge Trennung der Räumlichkeiten nach Bewohnerinnen/Mitarbeiterinnen und Künstlerinnen sowie Konzert-/Veranstaltungsbesucherinnen ließe sich nicht umsetzen.

Den Betrieb einer stationären Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe unter den Umständen und Bedingungen einer solchen Pandemie aufrecht zu erhalten, ist schwer genug und fordert unsere ganze Aufmerksamkeit und alle Kräfte. Viele der Kinder und Jugendlichen durften nun schon längere Zeit nicht mehr in ihre Familien zurückkehren, wie dies sonst an Wochenenden doch wenigstens 14-tägig möglich und üblich war. Auch Ausflüge in einer Gruppe waren im gewohnten Umfang zuletzt nicht mehr möglich. Zustände von Angst, Wut, Verzweiflung, Überaktivität sowie Depressionen, mit denen wir es schon vor der Pandemie in unserem  Alltag in erhöhtem Maße zu tun hatten, machen den Kindern und Jugendlichen (und damit auch den Mitarbeiterinnen) nun noch einmal vermehrt zu schaffen.

Da haben zusätzliche Angebote, die nicht zu unserem Kerngeschäft, sondern eher zum zusätzlichen ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen (und leidenschaftlichen!) Engagement unserer Mitarbeiterinnen gehören, vorübergehend hintanzustehen, auch wenn unter Umständen die Verordnungen und Empfehlungen der Landesregierung in diesem Fall sogar ein "Schlupfloch" ließen. Die Veranwortung für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen sowie für unsere Mitarbeiterinnen wiegt schwerer.

Die Absagen schmerzen Sie und uns gleichermaßen!

Wir bedauern dies außerordentlich und bitten um Ihr Verständnis.

Bitte missverstehen Sie diese Entscheidung nicht als einen Mangel an Solidarität mit Ihnen und Ihrem Berufsstand. Wir wissen um die Bedeutung der Kunst in einer demokratischen Gesellschaft und leiden selbst unter dem (vorübergehenden!) Entzug.

Ob wir die Konzerte in der zweiten Jahreshälfte (Oktober und November 2020) werden durchführen können, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt abzuwarten. Auch hierfür bitten wir um Verständnis. Sollte dies möglich sein, gäbe es wohl auch die Möglichkeit, das ein oder andere Konzert unter Umständen noch nachzuholen.

Schon jetzt darf ich Ihnen unsere Bereitschaft signalisieren, die ausfallenden Konzerte in jedem Falle zu einem späteren Zeitpunkt (evtl. im Jahr 2021) nachzuholen, sofern Sie daran Interesse haben sollten.

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie von den Nessellachen mit den besten Wünschen

Ihr

M. Hubert Schwizler

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